75 Jahre peermusic

Text der Ansprache von Ralph Peer II zum 75-jährigen Firmen-jubiläum

Liebe Freunde,

ich danke Ihnen, dass Sie heute gekommen sind, um mit uns das 75. Firmenjubiläum von peermusic zu feiern. Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, Sie hier begrüßen zu dürfen.
Southern Music Publishing Company, Inc. ist der erste Musikverlag, den mein 1960 verstorbener Vater, Ralph S. Peer, gegründet hat. Offiziell besteht er seit Januar 1928. Mein Vater würde heute seinen 111. Geburtstag feiern, und aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die weltweiten Feierlichkeiten auf den heutigen Tag zu verlegen. Sein kreatives Talent als Produzent, sein fester Glaube an die Bedeutung des Songs und damit an die Verbreitung von Musik, gepaart mit seinem Engagement für die Öffnung neuer Märkte für neue und bislang verkannte Musikformen sowie sein Wissen um das internationale Potenzial der Musik aus vielen Kulturen bilden die Grundsteine der Philosophie, die sein Unternehmen gestaltet haben und der es bis heute treu geblieben ist.
Der Autor Richard Sudhalter arbeitet derzeit an einer umfangreichen Biografie über Ralph S. Peer, die in etwa einem Jahr im Verlag Yale University Press erscheint. Darin werden die einzelnen Stationen seiner Karriere ausführlich beschrieben. Für die hier Anwesenden gibt es heute schon mal ein paar private Auszüge aus diesem Wälzer. Lassen Sie mich aus diesem Anlass nur ein paar der Höhepunkte ansprechen, die es im Laufe der Expansion des Unternehmens seit dem Tod meines Vaters gegeben hat.
Als mein Vater 1960 verstarb, übernahm meine Mutter, Monique Iversen Peer, die Leitung des Unternehmens. Sie wurde als Dänin in England geboren, genoss ihre Schulbildung in mehreren europäischen Ländern und arbeitete bis zum Tod meines Vaters 20 Jahre lang eng mit ihm zusammen.
Die Entwicklung der lateinamerikanischen Musik bedeutete Monique und Ralph S. Peer so viel, dass sie die ersten Jahre nach ihrer Heirat im Jahr 1940 in Mexiko-Stadt verbrachten. Sie wollten den großen mexikanischen Komponisten der damaligen Zeit nahe sein. Monique Peer war bekannt für ihr Sprachtalent und ihre Wertschätzung anderer Kulturen. Dadurch gelang es ihr in ihrer 20jährigen Tätigkeit als Vorstandsvorsitzende, das Unternehmen kontinuierlich zu einem großen internationalen Netzwerk auszubauen. Auf dieses Erbe bin ich natürlich überaus stolz und freue mich, an dieser Stelle ihre Leistung würdigen zu können.
In unserer vernetzten Welt erachten wir es heute leicht als selbstverständlich, dass ein Unternehmen mit einer durchgehenden Firmenphilosophie in 27 verschiedenen Ländern arbeitet, und dies im Namen von Zehntausenden von Komponisten. Sie werden aber sicher zugeben, dass dies eine beachtliche Leistung darstellt, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen aus einer Zeit stammt, in der die internationale Kommunikation und das Reisen viel schwieriger und ungewöhnlicher waren als heute. Doch genau diese außergewöhnliche Unternehmenskultur hat es Peermusic als erstem Unternehmen ermöglicht, Musik über kulturelle Grenzen hinauszutragen.

 
Was dieses Unternehmen erreicht hat, ist nicht nur meinem Vater und meiner Mutter zu verdanken, sondern auch den zahlreichen weitsichtigen und fleißigen Mitarbeitern im Führungsteam, einschließlich der heute weltweit versammelten, die im Laufe der vergangenen 75 Jahre für Peermusic gearbeitet haben. Und natürlich wäre das Unternehmen eine leere Hülle ohne all jene Musikschaffenden, Komponisten und Autoren, die uns die Ehre erwiesen haben, ihr Talent repräsentieren zu dürfen.
Eingedenk dessen haben wir unsere Komponisten und ihre Familien an diesem Tag der Feierlichkeiten auf dem ganzen Globus als Ehrengäste geladen.
Für Sie als Musikprofis bzw. als Leser der Publikumspresse ist es kein Geheimnis, dass es der Musikbranche zur Zeit nicht besonders gut geht. Weltweit haben Piraterie und der illegale Datenaustausch bisher nicht da gewesene Rekordhöhen erreicht. Das Ironische daran ist, dass der Musikkonsum zwar in gesundem Maße steigt, das Honorar der Komponisten aber rapide fällt. Unglücklicherweise ergibt sich als Nebenprodukt dieser Situation, dass der Respekt vor den Rechten der Komponisten und damit vor dem Beruf des Komponisten auf ein Allzeit-Tief gesunken ist. Ich kann Sie alle nur ersuchen, auf ihre Tätigkeit und ihr Erbe stolz zu sein. Erinnern Sie die Menschen daran, dass der tägliche Genuss des Musikhörens auf einen Komponisten mit einer kreativen Idee zurückgeht. Sagen Sie ruhig der Presse, wie empört Sie darüber sind, dass die Konsumenten auf der ganzen Welt die moderne Technik missbrauchen, um ohne Lizenz in den Genuss Ihrer Werke zu kommen, und Sie damit Ihres Erbes und Ihres Lebensunterhalts berauben.
Im August 2002 gab ich ein Abendessen in der kleinen Stadt Bristol an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Tennessee und Virginia in den Appalachen im Südosten der Vereinigten Staaten. Genau hier hatte mein Vater 75 Jahre zuvor die bemerkenswerte Musik der dort ansässigen Künstler für die Victor Talking Machine Company aufgenommen. Sie basierte auf dem musikalischen Folk- und Blues-Erbe der Gegend und begründete ein Genre, das wir heute als amerikanische Country-Musik bezeichnen. Ich erwähne dieses Ereignis nicht nur, weil es an einen entscheidenden Augenblick des Jubiläums erinnerte, das wir jetzt feiern, sondern auch weil es meiner Familie Gelegenheit gab, mit vielen Erben derjenigen zusammen zu sein, die an diesen bedeutsamen Aufnahmen beteiligt waren. Wir feierten eine berufliche und persönliche Beziehung, die sich über diese siebeneinhalb Jahrzehnte erstreckt. So etwas kommt in der heutigen Musikbranche recht selten vor, und für mich war es ein stolzerfüllter Augenblick.Beziehungen zu feiern ist das verbindende Element dieser Jubiläumsfeier.
Die Beziehungen zu unseren Musikschaffenden stehen im Mittelpunkt dessen, was wir bisher getan haben und was wir weiterhin tun werden. Uns ist bewusst, dass wir den Musikschaffenden unser Wachstum verdanken. Unser Bestreben ist es, unseren Musikschaffenden mit Professionalität, Integrität und Bedachtsamkeit zur Seite zu stehen. Wir freuen uns darauf, diese Tradition auch in Zukunft noch viele Jahre fortzuführen.

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